Ölgemälde

Die Malerei in Öl gilt als die Königsdisziplin der Malerei. Ihren Namen verdankt diese Technik der Tatsache, dass Öl der Hauptbestandteil der verwendeten Farbe ist. Sowohl Künstler als auch Kunstkenner schätzen die Ölmalerei nicht nur wegen ihrer unvergleichlichen Farbbrillanz, sondern auch auf Grund ihrer Haltbarkeit.

Das klassische Verfahren der Bildgestaltung basiert auf der von van Eyck entwickelten Trennung von Form und Farbe, einer komplexen Technik, die eine sehr naturnahe und detailreiche Darstellung erlaubt und heute nur noch von sehr wenigen Künstlern beherrscht wird. Dabei werden zunächst die grundlegenden Formen des späteren Ölbildes auf die Leinwand übertragen und zu einer Schattenform entwickelt. Die dabei benutzte Farbepalette reichte von Siena, Ultramarin bis hin zu Schwarz, je nachdem welcher Effekt erzielt werden sollte. Die sich anschließende erste Lasurschicht, die so genannte Imprimitur, diente der Entwicklung des Mittel- oder Gesamttones. Dieser spielt eine entscheidende Rolle für die spätere Wirkung des Ölgemäldes, da er den Bildcharakter entscheidend beeinflusst.

Darauf folgt gewöhnlich die so genannte Weißtönung, bei der das Ölgemälde mit Hilfe weißer Temperafarben Plastizität und Dreidimensionalität erhält. In stetem Wechsel folgen hierbei Lasur und Weißtönung einander ab, so dass sich das Bild langsam und behutsam entwickelt. Es ist bekannt, dass große Meister wie Tizian nicht selten 150 Schichten oder mehr auftrugen. Nach Abschluss dieser Phase besteht ein derartig gestaltetes Ölgemälde zunächst hauptsächlich aus Schwarz, Weiß und der Farbe Ocker.

Erst im Anschluss hieran erfolgt die eigentliche Farbgebung mit Hilfe verschiedener Farblasuren. Auch dieser werden in mehreren Schichten aufgetragen, wobei die Untermalung nie komplett abgedeckt werden darf.

Jeder der aufgetragenen Farbschichten muss komplett durchtrocknen, bis die nächste Schicht aufgetragen werden kann. Je nach Anzahl der Farbschichten kann das Malen eines Ölbildes nach dieser Technik sehr lange, mitunter sogar Jahre dauern. In der Folge wurden daher vereinfachte Techniken entwickelt, die schneller zu Ergebnissen führten. Dazu zählen die Ton-in-Ton-Malerei, die Primamalerei und die Mischtechnik.

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