Wer kennt sie nicht? Die “handgemalten” Ölgemälde aus Einrichtungshäusern wie IKEA. Aber weiß der Käufer auch, dass diese Bilder zwar in Handarbeit entstehen – allerdings gleich aus den Händen von zich Künstlern kommen?
Dafen ist eine Einwohnergemeinschaft im Stadtbezirk Longgang der chinesischen Stadt Shenzhen (7 km von Hong Kong entfernt). Das Künstlerdorf entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit zur größten Werkstatt und “Verkaufshalle” für Ölgemälde (Kopie und Auftragsmalerei) weltweit. Shenzhen ist in China die Stadt mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen.
Vor rund 20 Jahren noch war das ehemalige Dorf Dafen noch ein sehr armes. Bis zum heutigen Tag ist es zu einer modernen Einwohnergemeinschaft in der Stadt Shenzhen geworden. Die Bezeichnung Künstlerdorf hat es bekommen, da hier mehr als 2.000 professionelle Künstler und 10.000 Junior-Maler jährlich rund 5 Millionen Gemälde in die ganze Welt exportieren. Der größte Teil dabei sind in Massen produzierte Gemäldekopien. Diese entstehen allerdings nicht in den vielen der über 300 Werkstätten, sondern werden dort nur verkauft. Die vielen Ölgemälde mit meist den selben Motiven in Massen werden an einem Ort mehrere hundert Kilometer entfernt produziert. Hier malt jeder “Maler” an jedem Bild mit nur einer Farbe. Immer und immer das selbe.
Absolventen der besten Kunsthochschule Chinas kommen nach Dafen. Diese erstellen nur wenige Bilder, verdienen dafür aber (für chinesische Verhältnisse) sehr gutes Geld. Sie können gut davon leben und sogar einiges sparen. Ihr Hauptwerk liegt in der Auftragsmalerei und nicht beim Kopieren von bekannten Meisterwerken. Die Akkord-Maler können zwar auch von ihrem Verdienst leben, müssen aber an die 20-30 Ölgemälde pro Tag schaffen.
Die Wurzel des Künstlerdorfes liegt im Jahr 1989. Huang Jiang gründete die erste Werkstatt zum Kopieren alter Meister und anderer bekannter Kunstwerke. Es trat bald ein sprunghaftes Wachstum ein, da die Lohn- und Mietkosten eher gering waren. Einige Jahre später kopierten einige seiner Mitarbeiter dieses Geschäftsmodell eröffneten eigene Werkstätten.
Bildquelle: Martin Paetsch/spiegel.de

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